La gita (der Ausflug)

Article published on Nov. 15, 2013
Article published on Nov. 15, 2013

Photographer: Christian Del Monte

In den letzten Jahren hat sich in Italien eine Migration neuer Ordnung, sowohl für Größe als auch in Bezug auf die betroffenen soziale Gruppe, intensiviert.

Immer mehr Personen aus der Mittelschicht verlassen das Land, um zu versuchen, anderswo ein neues Leben zu beginnen. Es sind häufig Intellektuelle und Künstler in einem Alter zwischen 20 und 50 Jahren, die von einem neuen Leben woanders träumen, wobei dieses Anderswo oft in eine weit genug entfernte, fremde Stadt projiziert wird. Nach dem Umzug in das neue Land und einer anfänglichen Euphorie setzt aber die Konfrontation mit der neuen alltäglichen Realität eine komplexe Dynamik von sozialen Prozessen in Gang, die dazu indirekt gezielt sind, die soziale Identität des Migranten neu zu gestalten, damit diese von der Gesellschaftssystem des Ankunftslandes assimiliert werden können.

Dieser Anpassungsprozess widerspiegelt sich auf einer psychologischen Ebene in ein Gefühl der Ohnmacht und der Entwurzelung, in einer Abwesenheit von Bezugspunkten und in der Schwierigkeit, die Wahrnehmung des aktuellen Status als Migranten und die Erinnerung an der früheren sozialen Identität zusammenzubringen.

Das sind die Gefühle,die ich in meiner Fotoarbeit "La Gita" (der Ausflug) zeigen wollte. In dieser Fotoserie porträtiere ich bedeutende italienische Künstler, die vor kurzem in Berlin umgezogen sind, ich begleite sie in der Berliner U-Bahn und fotografiere sie dort. Letztendlich, ist es so, als ob alle Künstler an einen Ausflug teilnehmen, wo sie alle zusammen fahren und trotzdem bleiben sie allein, nehmen die Welt um sich herum nicht wahr. So wenig, wie das manchmal in Berlin ist.

Die Wahl des Raumes ist nicht zufällig. Für mich ist die U-Bahn ein Nicht-Ort, wo die gewöhnlichen Vorstellungen von Raum und Zeit verschwinden. Seit Jahren fotografiere ich in diesen Nicht-Ort. Die U-Bahn und S-Bahn Netze sind für mich in mancher Hinsicht ein zweites zu Hause geworden. Es sind Orte, in denen ich mit meinen Wünschen und Ängsten in Gespräch kommen kann und wo ich mich manchmal wiederfinde.